Therapieangebot, Betreuungsdokumentation und Hilfeplanung

Sozialtraining
Für die im Haus am Blender lebenden Patienten findet Bezugspflege statt, deren Sinn es ist, den Aufbau und die Pflege einer emotional stabilen, verlässlichen Beziehung zum Patienten zu schaffen. Die Bezugspersonen wirken auch mit bei der Erstellung eines individuellen Behandlungsplanes und leisten Psychoedukation. Für die Betreuung in den Gruppen bestehen hinsichtlich des Trainings unterschiedliche Aufgaben, beispielsweise:

  • Hilfestellung während der Orientierungsphase zu Beginn des Aufenthaltes
  • Sicherstellung hygienischer Maßnahmen, Reinigung (bzw. Anleitung) des persönlichen Lebensbereichs im Rahmen des hauswirtschaftlichen Trainings, Schaffung einer Ess- und Tischkultur
  • Planung und Ausführung hauswirtschaftlicher Tätigkeiten, auch in der Gruppe
  • Training lebenspraktischer Fähigkeiten (Essen zubereiten, Wäschepflege)
  • gemeinsame Gestaltung von Festen oder der Freizeit (zeitliche und qualifizierende Strukturierung)
  • Sozialtraining, ggf. Begleitung zu Behörden, Ärzten, Einkäufen, Umgang mit Geld, Testen der Verkehrssicherheit
  • Steigerung der zeitlichen und örtlichen Orientierung bei den Patienten, Training der Pünktlichkeit
  • Hilfen beim Umgang mit persönlichem und fremdem Eigentum
  • Hilfestellung bei der Erledigung von Aufgaben für die Gruppe
  • Erkennen von Krisensituationen (Suizidalität, drohende Aggression, Weglauftendenzen)
  • Alkoholkontrollen
  • Gewaltfreiheit in den Gruppen herstellen
  • Dokumentation.

Als therapeutische Maßnahmen stützen wir uns auf folgende Elemente:

  1. Kognitives Lerntraining – eine Mischung aus einer Art schulischer Wissensvermittlung unterschiedlicher Fächer, gekoppelt mit spezifischen Lerntechniken und Hirnleistungstraining (Gedächtnis, Konzentration) – in Einzelterminen.
  2. Integriertes psychologisches Therapieprogramm für schizophrene Erkrankte IPT (nach Brenner)  für Kleingruppen zur Verbesserung der Informationsverarbeitung und der sozialen Fähigkeiten.
  3. R&R, das „Reasoning and Rehabilitation“-Behandlungsprogramm, wurde ursprünglich für psychisch kranke Straftäter in Kanada während der 1980er Jahre geschaffen. In Deutschland wird es seit 1988 in der Klinik für forensische Psychiatrie Haina angewandt, gelehrt und zur Weiterverbreitung lizenziert. R&R ist eine Trainingsmethode für kleine Gruppen von 6 bis 8 Teilnehmern. R&R ist keine Therapie in dem Sinn, dass die Probleme einzelner Bewohner im Mittelpunkt stehen. Die Teilnehmer sollen vielmehr in die Lage versetzt werden, mit ihren Schwierigkeiten selbst besser fertigzuwerden. Nicht geeignet ist R&R für Menschen mit akuter oder instabiler Psychose, für Psychopathen und für Demente.

Das Therapieangebot variiert von Zeit zu Zeit und ist auch abhängig von einer ausreichenden Anzahl geeigneter Teilnehmer. Nicht alle Angebote sind im ambulanten Setting möglich.

Ergotherapie
Das Ziel der Tätigkeiten unserer Bewohner kann nicht die Übernahme von Leitgrößen und Normen industrieller Arbeit sein. Bei den bei uns lebenden Menschen sind die Fähigkeiten zur Arbeit in fachlicher oder sozialer Hinsicht mehr oder weniger stark beeinträchtigt: ungenügende fachliche Qualifikation, gestörte Denk- und fehlende Konzentrationsfähigkeit, mangelndes Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen, zu wenig Selbstkritik, Illusion, Antriebsschwäche aller Grade und körperlich bedingt gestörte Feinmotorik. Ihnen soll durch Beschäftigung ermöglicht werden, aus sich herauszugehen, sich auf das Material aufmerksam einzulassen und aktiv wahrzunehmen. Engeres Ziel der Arbeitstherapie ist auch die Vermittlung und das Einüben handwerklicher Fähigkeiten. Nach Möglichkeit wird auf Neigungen und Vorkenntnisse – falls vorhanden – aufgebaut.

Zur Zeit bieten wir folgende Betätigungsmöglichkeiten:
Holzwerkstatt: Hier werden an allen Werktagen semiprofessionell Kleinmöbel und einige Spezialitäten wie Weihnachtskrippen hergestellt.

Textilwerkstatt: Sie gliedert sich in die Bereiche Korbflechten, Wollverarbeitung und Weben.

Keramikwerkstatt: Hier wird einzeln und in Kleingruppen mit unterschiedlichen Materialien – mit Schwerpunkt Ton – gearbeitet.

Außen- oder Gartengruppe: Draußen findet man das ganze Jahr über Arbeit. Sie beginnt bei der Pflege der Wege, geht über die Gestaltung von Beeten und endet bei Baumfällaktionen.
Seit Frühjahr 2012 arbeiten wir mit unserer Gartengruppe an dem Projekt „Becherpflanze“ (Silphium perfoliatum) für den Anbau in Lagen um tausend Höhenmetern.

Die Kochgruppe bietet zusätzlich zum hauswirtschaftlichen Training Bewohnern die Möglichkeit, am Kochen teilzunehmen. Auch wird ein Teil unseres Brotes und anderer Backwaren in Eigenregie gemeinsam mit den Bewohnern hergestellt. Aber im Gegensatz zu den sonst üblichen Hobbykochgruppen handelt es sich hier um eine tägliche, kontinuierliche Tätigkeit, bei der von einer gelernten Köchin Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die sonst nur innerhalb einer Lehre zu erfahren sind.

Weitere kreative Tätigkeiten: Wir Mitarbeiter geben uns Mühe, ein ästhetisches Element in den Alltag zu integrieren und es zum Beispiel durch Malen/Zeichnen, Tanz/Bewegung, Singen oder in der Innenraumgestaltung der Häuser mehr und mehr zum Ausdruck zu bringen.

Ausstellungen
Wir sind jedes Jahr mit unseren Patienten und ihren Produkten aus der Arbeitstherapie auf einigen regionalen Märkten anzutreffen, beispielsweise:

  • beim Künstlermarkt in Schmidsfelden zum Muttertag
  • beim Alternativen Markt in Altusried am 3.10. und am darauffolgenden Sonntag
  • beim Weihnachtsmarkt in Sulzberg-Moosbach am 2. Samstag im Dezember
  • und bei weiteren kleinen Veranstaltungen wie in Buchenberg oder Wiggensbach.

Betreuungsdokumentation
Es wird eine Betreuungs- (einschl. Pflege-)Dokumentation geführt, die für jeden Menschen mit Behinderung Angaben bzw. Verfahrensregelungen zu nachfolgenden Punkten enthalten soll:

Aufnahme und Verlaufsdokumentation, dazu gehören:

  • persönliche Daten/Stammdaten
  • Kostenträger, behandelnder Arzt
  • Name, Anschrift des gesetzlichen Betreuers.

Diagnose, dazu gehören:

  • Anamnese (medizinische, biographische und soziale)
  • medizinische, pflegerische Versorgung und Besonderheiten
  • ärztliche Verordnungen
  • Verwahrung und ggf. Verabreichung der Medikamente
  • Inanspruchnahme sonstiger Verordnungen
  • sonstige gesundheitliche relevante Vorkommnisse und Maßnahmen.

Hilfeplanung und Fortschreibung:
Entsprechend den Vorgaben des Gesamtplanverfahrens werden die vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ermittelt, die sog. HEB-Bögen erstellt und entsprechend dem Gesamtplanverfahren fortgeschrieben.

Durchführungsdokumentation

  • Welche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele des HEB-Bogens wurden über welchen Zeitraum, in welchem Rhythmus und mit welchem Ergebnis durchgeführt?
  • sozialtherapeutischer Maßnahmenplan mit individueller Zielvereinbarung;
  • bei Aufnahme wird eine Bewohneranamnese erstellt,  um den Ist-Zustand zu dokumentieren und den Verlauf zu überprüfen.
  • Individueller Wochenplan für die Bewohner.

Entwicklungsberichte

  • Die individuellen Entwicklungsverläufe werden reflektiert, dokumentiert und dem zuständigen Kostenträger nach Vorgaben des Gesamtplanverfahrens oder ggf. nach Absprache auch früher zugeleitet.
  • ½ -jährliche Reflexionsgespräche.

Ergebnisqualität
Die Ergebnisqualität ist der Zielerreichungsgrad der gesamten Leistungserbringung. Anhand der vereinbarten Leistungsziele wird das Ergebnis durch die Einrichtung regelmäßig überprüft. Dabei wird die Einschätzung der Menschen mit Behinderung berücksichtigt.

Unsere Tanzgruppe im Fasching
Unsere Tanzgruppe im Fasching
Handgeflochtene Körbe aus der Ergotherapie
Handgeflochtene Körbe aus der Ergotherapie
Wir präsentieren Produkte aus der Arbeitstherapie auf regionalen Märkten.
Wir präsentieren Produkte aus der Arbeitstherapie auf regionalen Märkten.
Wir bieten Maltherapie an.
Wir bieten Maltherapie an.
Arbeit mit Keramik als Ergotherapie.
Kreative Innenraumgestaltung im Café Eule
Natur erleben in der Gartengruppe
Natur erleben in der Gartengruppe
Honig für die Kochgruppe.
Zeitweise haben wir Honig selbst hergestellt.